Das CVJM-Haus soll weichen

22. Mai 2026

Ein Bauvorhaben polarisiert die Böckinger

Das CVJM-Haus soll weichen

In jedem Zusammenleben gibt es Punkte, über die man sich nicht einig ist. Momentan ist ein solcher Streitpunkt ein 125 Jahre altes Fachwerkhaus auf dem Gelände der Petrusgemeinde im Bereich Ludwigsburger Straße, Kappelstraße und Klingenberger Straße.

Vor dem CVJM-Haus, oder auch Pfadfinder-Haus, in der Klingenberger Straße 128/1 stehen zwei mächtige, circa 100 Jahre alte Linden. Inzwischen ist das Haus leer, ein paar Sitzbänke und die Tischtennisplatte davor sind verwaist. Die Pfadfindergruppe „Stamm Vulkan“ musste den dafür vorgesehenen Plänen Platz machen.

Diese Pläne sehen vor, das Gemeindezentrum in der Ludwigsburger Straße, den daneben liegenden Petrus-Kindergarten und eben dieses CVJM-Haus mit den Linden abzureißen. Dort sollen die Neubauten für eine Diakoniestation mit Tagespflege, eine Kindertagesstätte, sowie eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Klingenberger Straße aus entstehen. Die Kirchengemeinde sieht für diese Einrichtungen einen wachsenden Bedarf und eine hohe Bedeutung für Böckingen.

Soweit so gut, bis auf die Tatsache, dass sich die Ansichten über die Notwendigkeiten, das CVJM-Haus abzureißen, nicht hundertprozentig decken. Erschwerend kommt dazu, dass eine Erhaltungssatzung dieses Gebiet mit den Gebäuden vor Veränderungen schützt. Allerdings kann der Gemeinderat bei einem vorliegenden öffentlichen Interesse Ausnahmen beziehungsweise Änderungen dieser Erhaltungssatzung beschließen.

Genau das ist passiert: Der Gemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, die Erhaltungssatzung für diesen Bereich auszusetzen beziehungsweise anzupassen. Bereits zuvor hatte der Kirchengemeinderat die Planungen eines Architekturbüros für die Neubauten mit Erhaltung des CVJM-Hauses gestoppt. Grund dafür waren die Kosten, die nach Aussagen der Kirchengemeinde für eine solche Lösung weit über ihre Möglichkeiten hinausgingen.

Man könnte also vermuten, dass die finale Entscheidung gefällt ist, und das CVJM-Haus mit den Linden abgerissen wird. Diese weitreichende Entscheidung hat sich sicherlich niemand leicht gemacht.

Aber da ist noch das Aufbegehren einiger Bürgerinnen und Bürger aus Böckingen. Deren Argumente liegen auch vor. Dazu gehören beispielsweise ein in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Baufälligkeit des Hauses bestreitet. Außerdem sollten solche Gebäude, die das Bild von Böckingen prägen, erhalten bleiben. Speziell das CVJM-Haus sei ein Gebäude mit hoher geschichtlicher und kultureller Bedeutung und ein wichtiger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Die Linden seien ökologisch wertvoll und würden das Mikroklima positiv beeinflussen. Und schließlich wünschten sich Teile der Bürgerschaft eine transparente Bürgerbeteiligung bei solchen Entscheidungen.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die einen Antrag auf Durchführung eines Bürgerbeteiligungsverfahrens gestellt hat. Dafür wurde eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Für diesen Antrag eines Bürgerbeteiligungsverfahrens sind die Unterschriften von einem Prozent der über 16-jährigen in Böckingen gemeldeten Personen erforderlich. Bei knapp 20.000 Personen sind das 200 Unterschriften.

Unterschriftenlisten liegen bei verschiedenen Geschäften (zum Beispiel Kebaphaus, Toto-Lotto, Muth Hairlounge, Salon D`Ostuni) und im Quartierszentrum aus.

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Quelle: Stadt Heilbronn Kommunikation, Redaktion, eigene Recherche 

Seeräuber Blättle - Blog 05-2026