Der Alte Friedhof
13. Februar 2026
Sanierung des Alten Friedhofs Böckingen
Der Alte Friedhof
Die Szenerie wirkt mystisch, ein wenig magisch vielleicht. Die wenigen, noch übrig gebliebenen, Grabsteine bilden zwei Grüppchen: die etwas modernere Variante in schwarzem Granit befindet in direkter Nähe zur beeindruckenden Pankratiuskirche. Ein paar Meter weiter stehen die historischen Grabsteine im typischen tristen graubraun, teilweise noch mit Verzierungen versehen. Witterung, Wind und Wetter haben hier ihre Spuren hinterlassen, der Zahn der Zeit hat seinen Job getan. Geschichte wird greifbar an diesem Fleckchen in Alt-Böckingen.
Bis zum Jahr 1905 war der Alte Friedhof der Begräbnisort in Böckingen. Noch in den Jahren 1840 und 1875 war er wegen des starken Bevölkerungswachstums vergrößert worden.
Aber der Wandel der Zeit und die Errungenschaften der Industrialisierung sollten noch weiteren Einfluss haben auf den Alten Friedhof. Der Bahnverkehr nahm zu und Bahngleise führten direkt am Friedhof entlang. Zudem wurde 1895 der damalige Rangierbahnhof (heute Güterbahnhof) in Betrieb genommen. Das eintönige Vorbeifahren eines Zuges allein wäre wohl zu verschmerzen gewesen. Aber das Halten, Anfahren und Rangieren war dann doch zu viel des Guten. Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe und des besinnlichen Gedenkens. Damit war es hier jetzt vorbei.
So musste nach einer neuen Alternative gesucht werden. Diese fand man an der Heidelberger Straße, wo ab 1905 der neu angelegte Friedhof die Hauptrolle als Böckinger Begräbnisstätte übernahm.
Der Alte Friedhof verwandelte sich in den nachfolgenden Jahrzehnten in einen Park mit Grünflächen, altem Baumbestand, Sitzgelegenheiten und einem Spielplatz. Auch eine eigenwillige Skulptur fand hier ihre Heimat. Denn beim Spaziergang durch den Park stößt man unweigerlich auf die steinerne Skulptur des heiligen Jakobus. Sie entstammt einem Grab aus dem Heilbronner Ortsteil Kirchhausen. Da sie einem Werk am Grab des Bildhauers Albert Güldenstein im Heilbronner Alten Friedhof ähnelt, wird vermutet, dass sie von diesem auch geschaffen wurde. Gesichert ist das nicht.
Der Alte Friedhof heute
Man kennt ihn heute noch unter seinem Namen Alter Friedhof. Geblieben sind auch der spektakuläre Blick auf die Pankratiuskirche, die mystische Atmosphäre der Grabsteine und die steinerne Jakobusskulptur. Der Park und der Spielplatz als Ort zum Wohlfühlen und Zeitvertreib scheinen dagegen ihren Glanz verloren zu haben. So kam es,dass die Stadtverwaltung Handlungsbedarf sah. Das Ziel wurde formuliert: Man wollte einen attraktiven Aufenthaltsort schaffen für Familien, spielende Kinder, Spaziergänger und Entspannungssuchende.
Umfassende Sanierung der Grünanlage
Mit der Verwirklichung dieses Ziels wurde das Landschaftsarchitekturbüro Helleckes aus Karlsruhe beauftragt. Vorangegangen war eine Ausschreibung durch das städtische Grünflächenamt, aus der das Büro Helleckes als Sieger hervorgegangen war.
Gemäß dem ersten Entwurf der Landschaftsarchitekten soll der Park durch offene Grünflächen und eine lockere Bepflanzung mit bestehendem und neuem Baumbestand zum Schlendern und Genießen einladen. Der Blick auf die beeindruckende Pankratiuskirche soll offener werden und dichte Hecken sollen weichen. Damit sollen dunkle, nicht einsehbare, Ecken im Park in Zukunft vermieden werden. Insgesamt soll der Park barrierefrei sein, mit Sitzbereichen entlang der ebenfalls sanierten Wege und unter der Beschattung von Bäumen. Auch der Spielplatz soll ein neues Gesicht bekommen. Aktuell sind Spielgeräte nicht mehr oder nur eingeschränkt in Betrieb. Jetzt sollen verschiedene Spielbereiche entstehen und ebenfallsbarrierefrei erreichbar sein. Dazu gehören ein Wasser- Sand-Matsch-Bereich, ein Bereich für Kleinkinder, ein motorisches Spielband mit Schaukelmöglichkeiten und mehrere Picknicktische. Außerdem ist eine Spielwiese mit einer Spiele-Box vorgesehen und die vorhandenen Tischtennisplatten sollen an eine andere Stelle verlegt werden.
Der Entwurf der Landschaftsarchitekten sieht auch vor, dass die Grabmale und Skulpturen optisch in die neue, offene Gestaltung integriert werden. Bleibt noch ein kleines Gebäude in einer Nische im Park, das seine besten Zeiten schon lange hinter sich hat: das Toilettenhäuschen. Etwas heruntergekommen sieht es aus und wild bemalt ist es. Ob man das als Kunst bezeichnen möchte, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Selbstverständlich gibt es auch dafür einen Plan. Nach der Sanierung soll es einen anderen Zweck bekommen, beispielsweise als Lagerraum.
Es ist ein hehres Ziel, aber auch eine wichtige Aufgabe, die sich die Stadtverwaltung mit der Sanierung des Alten Friedhofes Böckingen gesetzt hat. Die Arbeiten beginnen noch in diesem Jahr mit der Erneuerung des Spielplatzes. Dafür stehen auch schon Haushaltsmittel bereit. Die restlichen Bereiche des Parks werden folgen, sobald die Finanzierung geklärt ist.
Bei der Neugestaltung des Parks einschließlich des Spielplatzes wurden Ideen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger aus einer Befragung im Frühjahr 2024 berücksichtigt. Das Resultat aus der Ideenschmiede von Bürgerschaft, Stadtverwaltung und Landschaftsarchitekten wird in naher Zukunft zu sehen sein. Böckingen darf sich darauf freuen.
Text: Redaktion



